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Grenzen (Martin Rheinheimer)

Schleswig-Holstein war und ist ein Grenzland. Heute ist als Staatsgrenze nur die deutsch-dänische Grenze nachgeblieben. Es gibt außerdem Landes-, Kreis- und Gemeindegrenzen. Früher gab es zudem die innerdeutsche Grenze. Die deutsch-dänische Grenze lag nicht immer da, wo sie heute liegt. Hinzu kamen viele innere Grenzen, die eine Bedeutung für die Menschen hatten und haben: Zollgrenzen, Verwaltungsgrenzen, Gemeindegrenzen, geographische Grenzen wie Flüsse oder Förden. Daneben gab es andere Formen von Grenzen, z. B. Standesgrenzen. Nicht in allen historischen Perioden hatten Grenzen die gleiche Bedeutung. Wo heute Staats- und Zollgrenze deckungsgleich sind und beiderseits der Grenze verschiedene Nationen leben, waren die Übergänge früher fließender, und Zollgrenzen mußten z. B. nicht an der Staatsgrenze liegen.

Selbstverständlich interessiert uns weniger, wo diese Grenzen konkret verliefen, als vielmehr ihre wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und anthropologischen Implikationen. Was bedeutete z. B. die Teilung Schleswigs 1920 für die Menschen in ökonomischer und sozialer Hinsicht? Wie gingen sie damit um? Oder in gleicher Weise: Was bewirkte das Verschwinden der Grenze infolge des Schengener Abkommens? Man kann aber auch weiter zurückgehen und sich mit Grenzkonflikten zwischen zwei Dorfschaften beschäftigen. Man kann fragen, ob wir es im Mittelalter mit breiten Grenzräumen zu tun haben oder mit linearen Grenzen. Welche Funktion hatten in diesem Zusammenhang Danewerk und Limes Saxoniae? Was bedeuten die Minderheiten für die Grenze, oder die Grenze für die Minderheiten? Was bewirkt(e) eine Landes- oder Kreiskrenze z. B. für Schulkinder und ihre Familien? Man kann auch Pendler, Grenzhandel und Schmuggel untersuchen oder die Grenzkontrollen.

Übrigens ist „Grenze“ sowohl im Deutschen als auch im Dänischen ein Wort, das aus dem Slavischen stammt. Wieso eigentlich?

Grenzen hatten eine besondere Funktion für die Ausbildung von Identität. Hier knüpft dieses Projekt an frühere Projekte an, die ich mit dem Arbeitskreis durchgeführt habe. Es soll also auch gefragt werden, wie sich Identität mit den Grenzen veränderte.

Ich würde mich freuen, wenn viele Mitglieder (und Nichtmitglieder) beiderseits der bestehenden Grenze an dem Projekt mitarbeiten würden! Zwischen dem 3. und 5. Juni 2005 veranstaltet das Projekt auf dem Koppelsberg bei Plön eine Tagung. Wer Lust dazu hat, ist herzlich eingeladen. Anmeldungen und Themenvorschläge bitte an mich.

Martin Rheinheimer

 

Programm der Tagung "Grenzen in der Geschichte Schleswig-Holsteins":

in der Akademie am See, Koppelsberg bei Plön vom 3. bis 5. Juni 2005

 

Freitag, 3. Juni 2005

bis 18.00 Uhr: Anreise

18.00 Uhr: Abendessen

19.00 Uhr: Martin Rheinheimer: Begrüßung und Einführung

19.30 Uhr: Detlev Kraack: Die Wahrnehmung und die Überschreitung von ethnischen, religiösen, rechtlichen und sprachlichen Grenzen. Eine Spurensuche im früh- und hochmittelalterlichen Nordelbien

 

Sonnabend, 4. Juni 2005

8.30 Uhr: Frühstück

9.00 Uhr: Günther Bock: Gemarkungsgrenzen als historische Strukturelemente im ländlichen Stormarn

9.45 Uhr: Sylvina Zander: „Durch die Hand geschändet“. Die Übertragung von Unehrlichkeit durch Berührung

10.45 Uhr: Ortwin Pelc: Vor den Toren. Die Grenze zwischen Stadt und Land in Schleswig-Holstein vom 12. bis 19. Jahrhundert

11.30 Uhr: Klaus-Joachim Lorenzen-Schmidt: Verbindendes und Trennendes. Die Elbe als Kommunikationsträger und Grenze zwischen Holstein und Nordwestniedersachsen (1500-2000)

12.30 Uhr: Mittagessen

14.30 Uhr: Norbert Fischer: Der Deich. Zur gesellschaftlich-kulturellen Bedeutung einer landschaftlichen Grenze

15.15 Uhr: Bärbel von Borries-Pusback: Politische Grenzen im Denken Wilhelm Seeligs

16.15 Uhr: Hans Schultz Hansen: Die Schleswiger und die Teilung. Schleswigsche Gesinnungsgrenzen im 19. Jahrhundert

17.00 Uhr: Andrea Teebken: Mapping the Language. Bordering processes and identity formation in Schleswig, c. 1850 to 1920

18.00 Uhr: Abendessen

19.00 Uhr: Morten Andersen: Der wirtschaftliche Wiederaufbau des schleswigschen Grenzgebietes 1919-1924

 

Sonntag, 5. Juni 2005

8.30 Uhr: Frühstück

9.00 Uhr: Jørgen Kühl: Über die Grenzen: Minderheiten und ihr „Mutterland“

9.45 Uhr: Peter Thaler: An den Grenzen des Selbst. Die dänische Minderheit in Südschleswig aus komparativer Sicht

10.30 Uhr: Martin Klatt: Grenzüberschreitende Zusammenarbeit zwischen deutsch und dänisch: Was nützt die historische Einheit Schleswigs? Überlegungen zum Einfluss der Geschichte auf die heutige Tagespolitik in der Region

11.15 Uhr: Abschlussdiskussion

12.00: Mittagessen

 

Projektleiter und Kontakt: Martin Rheinheimer - siehe unter Kontakt