Einladung zu einem neuen Projekt: Mensch und Meer - Zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte der schleswig-holsteinischen Küsten (Martin Rheinheimer)
Schleswig-Holstein ist „Meer umschlungen“. Es ist eigentlich eine maritime Region – doch in der Geschichtsschreibung hat sich das bislang kaum niedergeschlagen. Selbst in der Wirtschafts- und Sozialgeschichte ging es meist nur um Landwirtschaft oder Industrie, um Stadt oder Land, doch nicht um das Meer. Es gibt nur wenige Arbeiten zu maritimen Aspekten der Geschichte Schleswig-Holsteins, und auch aus dem Arbeitskreis sind bislang nur zwei Bände mit maritimen Themen hervorgegangen: der Band von Harald Voigt über den Walfang der Nordfriesen und der Sammelband von Jürgen Brockstedt über Seefahrt an deutschen Küsten.
Seefahrt und Walfang sind bei weitem nicht die einzigen „maritimen“ Themen, sondern das Verhältnis von Mensch und Meer ist komplex: die Strukturen von Küstengesellschaften gehören genauso dazu, die verschiedenen Formen maritimen Erwerbs wie Fischerei, Seefahrt, Schiffbau, aber auch Tourismus. Hinzu kommen die Kontakte an das Meer und über das Meer, die Angst vor dem Meer, der Küstenschutz, maritime Lebenswelten, aber auch die wirtschaftliche Bedeutung von Seefahrt oder Tourismus für die Küstenorte. Wer reiste an das Meer, und wie wurde das Meer in unterschiedlichen Perioden wahrgenommen, bot es Kontakt oder bildete es eine Grenze? Wer begegnete sich an der Küste? Brachten Küste und Meer eigene Lebensformen hervor? Es geht um die Lebenswelten von Seeleuten, ihren daheimgebliebenen Frauen und Kindern, von Touristen oder Binnenländern und den Menschen, die am Meer lebten. Aber auch die wirtschaftliche Bedeutung des Meeres für das Land ist wichtig: der Umsatz in den Häfen, die Produktion für den Export, Umfang und Bedeutung des in der Seefahrt oder im Tourismus verdienten Geldes. Wer finanzierte die Schiffahrt, wer den Bau von Seebädern und Hotels? Wie vermarkteten sich Seebäder, woher kamen die Badegäste und die Arbeitskräfte? Die Ausnutzung der natürlichen Ressourcen durch Fischerei und Jagd gehört genauso dazu wie das Verhältnis von Tourismus und Naturschutz. Was ist das Verhältnis von Ostsee- und Nordseeküste? Welche Unterschiede gibt es? Bestehen mikroregionale Zusammenhänge über die Förden oder auf den Inseln?
Die Küste bot einen eigenen Erfahrungsraum. An ihr begegnen sich Mensch und Meer. Deshalb soll sie im Zentrum eines neuen Arbeitskreis-Projektes stehen. Es bieten dabei sich die unterschiedlichsten Fragestellungen an: sowohl quantitave wie qualitative, wirtschaftshistorische wie kulturhistorische, sozialhistorische, anthropologische, umweltgeschichtliche oder … Räumlich geht es wie immer um Schleswig-Holstein; Beiträge aus den Nachbarregionen in Norddeutschland und Dänemark sind aber ebenfalls willkommen.
Wer Lust hat, an diesem Projekt mitzuarbeiten, ist herzlich dazu eingeladen. Eine Tagung könnte 2008 stattfinden. Anmeldungen und Themenvorschläge bitte an:
Projektleiter und Kontakt: Martin Rheinheimer - siehe unter Kontakt

